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NATO-Luftangriff bei Kundus

GB Geo-Blog

NATO-Luftangriff bei Kundus

Am Abend des 3. September entführten Taliban-Kämpfer nahe Kundus zwei voll beladene Tanklastzüge einer zivilen Firma. Unterwegs blieben die Fahrzeuge bei der Durchquerung eines Flusses stecken. Die Angreifer versuchten, Kraftstoff abzuzapfen, um die Fahrzeuge leichter und wieder fahrtüchtig zu machen.

Das Bundeswehrkommando in Kundus erhielt davon Nachricht und befürchtet einen Anschlag mit „fahrenden Benzinbomben“. Gegen 2 Uhr früh forderte der örtliche Kommandeur Oberst Georg Klein bei ISAF Luftunterstützung an. In der Nähe befand sich ein US-Jagdbomber vom Typ F-15-E auf Patrouille. Er griff die Tanklastzüge mit lasergesteuerten Bomben (GBU-38) an. Es gab Tote. Wie viele? Das ist umstritten. Sind es 56, wie der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagt, oder sehr viel mehr, wie man aus afghanischen Regierungskreisen hört? Wurden „nur“ Taliban-Kämpfer getötet oder auch Zivilisten? Nein, sagt der deutsche Verteidigungsminister. Doch selbst der amerikanische Oberkommandierende vor Ort behauptet, es habe auch zivile Opfer gegeben.

Aus Spanien, Italien und Luxemburg kommt Kritik. Der französische Außenminister Bernard Kouchner sagt: „Der Angriff war ein großer Fehler“. Sein schwedischer Kollege Carl Bildt: „Wir gewinnen diesen Krieg nicht, indem wir töten.“ Ein Untersuchungsteam der NATO soll festgestellt haben, daß es etwa 125 Tote sind, Zivilisten eingeschlossen. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana kondoliert den Hinterbliebenen der Opfer.

 

Und jetzt? Fragen wir nach den Auswirkungen in Deutschland, das sich in der Schlußphase des Wahlkampfes befindet. Werden sich die Ereignisse von Kundus auf die Bundestagswahl am 27. September auswirken? Und wenn ja, wie und mit welchem Ergebnis?

Bekanntlich ist der militärische Einsatz in Afghanistan in Deutschland unpopulär. Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet einen Rückzug der deutschen Soldaten. Gleichwohl dürften die Auswirkungen auf die Wahl gering bleiben, solange es keine größeren Verluste unter den deutschen Soldaten und keine Anschläge in Deutschland gibt. Nur ein islamistisches Attentat oder ein größerer Anschlag in Deutschland würde die Lage dramatisch verändern. Das Resultat wäre nach meiner Vermutung allerdings kein militärischer Rückzug, wie ihn Spanien nach dem Terroranschlag von Madrid (2004) aus dem Irak veranlaßte. Vielmehr würde die Stimmung in Deutschland kippen und zu einer Ausweitung der deutschen Militäreinsätze führen. Das ist jedoch eine persönliche Vermutung, für die ich wenig konkrete Anhaltspunkte vorweisen kann. 

 

Mit Gewißheit läßt sich vorhersagen, so glaube ich, daß eine Verschärfung der Lage, ob in Afghanistan oder in Deutschland, auf jeden Fall dem konservativen Lager zugute kommen würde. Die Stimmen für Angela Merkel würden dramatisch zunehmen. Das linke Lager, bestehend aus drei Parteien, würde verlieren, wenn auch nicht gleichmäßig. Die Sozialdemokraten (SPD) würden am meisten darunter leiden, weil ihre politische Führung (in der gegenwärtigen großen Koalition) den Afghanistaneinsatz mitverantwortet, obgleich viele Funktionäre und Stammwähler heftig dagegen sind. Die verbliebenen Befürworter eines raschen Truppenabzuges würden sich bei der (teil-kommunistischen) Linkspartei sammeln, die sich ohnehin im Aufwind befindet und der SPD viele Stimmen abnimmt. Somit wird sich Bundeskanzlerin Merkel durch die Vorfälle von Kundus nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Großen Ärger gibt es allerdings in der Bundeswehr, die sich durch die vorschnellen Urteile aus den westeuropäischen Hauptstädten verraten fühlt und deren verantwortlicher Offizier, der genannte Oberst Klein, sich einer möglichen juristischen Anklage durch die Staatsanwälte von Potsdam gegenübersieht. Noch kennt niemand die genauen Fakten der Ereignisse an jenem 3. September, aber wir durchlaufen vorsorglich die Rituale der Betroffenheit und schalten die Justiz ein. Auch das ist vermutlich eine Form der asymmetrischen Kriegführung!

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1 Comment

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